Werkstufe/Berufsschule
Auszug aus dem zukunftsorientierten Konzept
Seit 4 Jahren haben wir unsere Werkstufenarbeit zukunftsorientiert verändert. Dies bedeutet, dass wir mit den Jugendlichen und Ihren Eltern aktiv schon zu Beginn der Werkstufenzeit/Berufschulzeit auf die bestmöglichen Berufschancen jedes einzelnen hinarbeiten; denn es gibt nicht den Geistigbehinderten. Gerade in dieser Behindertengruppe sind die Leistungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich. Früher war es selbstverständlich, dass unsere Schüler nach der Schulzeit, die teilweise bis zum 25. Lebensjahr verlängert wurde, in einer Werkstatt für Behinderte arbeiten oder in einer Pflegegruppe kamen.
Wir möchten jedem Abgänger individuell gerecht werden, was die ganze Bandbreite von der Förder- und Betreuungsgruppe bis zur Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt bedeuten kann.
Übersicht unseres Konzepts
Arbeitstraining und Praktika ab dem 1. Werkstufenjahr
1. Stufe: Arbeitstraining im Klassenraum unter ähnlichen Bedingungen wie in einer WfB
- die Arbeitsbedingungen sind besser als in einer WfB (mehr betreuende Kräfte)
- Arbeitszeit: ganztägig - mit dem Zugestehen individuell notwendiger Pausen
- Einbindung in die Logistik
- Tätigkeiten aus der heimischen Industrie
- Dienstleistungen erbringen - im eigenen Hauswirtschaftsbereich / Begleitung des Hausmeisters
- Beurteilung und Führen eines Arbeitsprotokolls durch die LehrerInnen
Im Laufe des Schuljahres besuchen wir mit allen Jugendlichen verschiedenste nachschulische Einrichtungen, um ihnen Möglichkeiten und die Verschiedenheit der Arbeitsangebote aufzuzeigen. Ebenfalls besuchen wir erwachsene Menschen mit Behinderungen in verschiedensten Wohnangeboten. In unserem Internat werden die Jugendlichen parallel dazu in der Jugendgruppe zusammengefaßt. Hier ergänzen sich Schule und Internat im Selbständigkeitstraining, Freizeitpädagogik und im Erarbeiten von wichtigen Themen wie z.B. "Freundschaft, Sexualität und Partnerschaft".
2. Stufe: Arbeitstraining unter ähnlichen Bedingungen wie in Stufe 1
- vorsichtige Zurücknahme der intensiven Betreuung
- Ausprobieren neuer Tätigkeiten und Arbeitstechniken
- Verkürzung individuell notwendiger Pausen
- Einbindung in Kontrollfunktionen
- Dienstleistungen: siehe Stufe 1
- Dauer: 4 Wochen
oder: Praktikum auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt - je nach Fähigkeiten und Neigung in der Industrie oder Dienstleistungsbetrieben
Voraussetzung hierfür:
- große Selbständigkeit im persönlichen Bereich
- Verkehrssicherheit als Fußgänger, evtl. Radfahrer oder auch Mofafahrer
- Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
- gutes allgemeines Sozialverhalten
- Verstehen und Einhalten von Arbeitsregeln
- Zeitverständnis
- Umgang mit Geld; sich Mittagessen besorgen
Praktikum:
- Dauer: von 14 Tagen bis 3 Monate mit schulischen Unterbrechungen
- auch Wechsel des Betriebs
- selbständiges Führen eines Arbeitsprotokolls
Durch regelmäßige Besuche der Praktikumsbeauftragten (Frau Gronert) werden Probleme besprochen und ständiger Kontakt gehalten. In einem von uns erarbeiteten Beurteilungsbogen dokumentieren die Meister und Vorgesetzten die Fähigkeiten und Schwächen der Praktikanten. So können wir immer auf den gemachten Erfahrungen aufbauen und die Möglichkeiten des/der Jugendlichen beim nächsten Praktikum besser berücksichtigen.
In jedem Jahr konnten die Lehrkräfte und Betreuer 3-4 neue Betriebe besichtigen und so mögliche Praktikumsplätze einschätzen und einfache Arbeiten für das Arbeitstraining in der Schule erbitten.
3. Stufe: das Angebot wird erweitert
- Vorstellung beim Arbeitsamt in unserer Schule mit den Eltern und persönlichen Begleitern des Internats zur Erstellung eines Eingliederungsplanes unter Berücksichtigung der gemachten Berufserfahrungen
- Kontakte zu Integrationsdiensten
- Vorstellung beim Amtsarzt und/oder psychologischem Dienst
- Besuche in Berufsförderzentren
- Besuche in konkreten nachschulischen Einrichtungen mit den Eltern und Betreuern
- Praktika und, wenn möglich, Probewohnen in der zukünftigen Einrichtung
Entlassung mit 18 bis 20 Jahren nach dem 3. Werkstufenjahr. Nur wenn für die optimale Eingliederung kurzfristige Wartezeiten entstehen, oder durch weitere Praktika die Eingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bzw. der Zugang zu einem Berufsförderzentrum ermöglicht wird, wird die Schulzeit nach Rücksprache mit dem jungen Erwachsenen und allen Beteiligten verlängert.
Unser Konzept ist nicht starr, sondern muß jedes Jahr den Jugendlichen angepasst werden, was von uns hohe Flexibilität und Engagement fordert. Doch der Erfolg gibt uns recht. Im vergangenen Jahr konnten wir eine junge Frau direkt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vermitteln, 2 besuchen ein Berufsförderzentrum, 5 wurden in den Arbeitstrainingsbereich von verschiedenen WfBs aufgenommen und eine junge Frau wird in einer Betreuungs- und Fördergruppe weiter in ihren Grundfähigkeiten gefördert.