Therapeutisches Reiten
Das Therapeutische Reiten umfasst die folgenden ineinander übergreifenden Bereiche:
Hippotherapie
Die Hippotherapie ist eine spezielle krankengymnastische, ärztlich verordnete, bewegungstherapeutische Maßnahme, die sich des Pferdes (griechisch „Hippos“) als "lebendes Übungsgerät“ bedient.Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren
Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren stellen dagegen Maßnahmen dar, die zunehmend in der Pädagogik und Psychotherapie angewandt werden. Sie sind geeignet, bei verhaltensauffälligen, lernbehinderten und geistig behinderten Kindern und Jugendlichen mit Sozial- und Milieuschäden positive Verhaltensänderungen einzuleiten oder zu verstärken.Reiten als Sport für Behinderte
Das Reiten als Sport für Behinderte erhält und steigert, wie viele andere Sportarten auch, die allgemeine Gesundheit und Fitness und ist eine Maßnahme der Rehabilitation sowie der Förderung der Gesamtpersönlichkeit.
Die Therapie zu Pferde hat mit dem herkömmlichen Reiten nicht viel gemeinsam.
Die ungewöhnlich enge und sensible Mensch-Tier-Bindung und die Wirkung auf alle Sinne lässt gerade bei behinderten Kindern ein Glücks- und nie gekanntes Freiheitsgefühl aufkommen. Das Pferd ist kein "Sportgerät", sondern ein Vermittler von Kraft, Zuneigung und sonst nicht erlebten Möglichkeiten.
Pferde sind Lebewesen, die vielfältige und anspruchsvolle lnteraktionsmöglichkeiten bieten. Darüber hinaus haben Pferde auf Kinder eine ganz bestimmte Wirkung im Sinne von Autorität und Achtung, aufgrund derer sich Erziehungsprozesse bewirken lassen.
Über eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung hinaus soll mit dem pädagogischen Einsatz des Pferdes ein Übungsfeld für unterschiedliches Sozialverhalten angeboten werden. Der hautnahe Kontakt zum Pferd hilft Ängste abzubauen und schenkt Selbstbestätigung.
Reiten und Voltigieren ist für Kinder und Jugendliche eine besondere Aktivität: Reiten bedeutet, sich fortbewegen, getragen werden, sich bewähren müssen. Es heißt aber auch: stolz sein, sich beweisen, etwas beherrschen, größer sein als andere, sich alleine über den Körper mitteilen können und Mitteilungen empfangen.
Pferde können sich gut in Menschen einfühlen. Beobachtungen und Erfahrungen bestätigen immer wieder, wie rücksichtsvoll sie gerade gegenüber Kindern und Behinderten sind. So bleiben sie zum Beispiel stehen, wenn sie spüren, dass ein Kind herunter zu fallen droht. Sie treten auch niemals auf einen am Boden liegenden Menschen, sondern gehen so darüber oder um ihn herum, dass er nicht veretzt wird. Pferde spüren Angst, Ungeduld, Unruhe und falsche Behandlung unmittelbar und bewirken somit Verhaltensänderungen. Sie zeigen häufig eine effektvolle Zurückhaltung gegenüber dem Menschen.
Das therapeutische Reiten wird oft auch als Erlebnisunterricht bezeichnet. Die Kinder erleben den Umgang mit dem großen Tier als etwas Besonderes und Beeindruckendes. Das Pferd führen, auf dem Pferd sitzen oder turnen fördert das Selbstwertgefühl, den Mut und die Ausdauer und vermittelt viele Erfolgserlebnisse.
Zielsetzungen
Senso - motorischer Bereich
- Benutzung des rhythmischen Bewegungsablaufs des Pferdes zum Zweck der Lockerung und Entkrampfung
- Beherrschung des Gleichgewichts und Koordination
- Steigerung der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit
- Einfühlen in die Bewegung des Pferdes
- Körperbewusstsein und Raumlageorientierung
- Wahrnehmungsschulung
Emotional/kognitiver Bereich
- Erlernen vielseitiger Selbsteinschätzung
- Eingeständnis und Überwindung von Ängsten
- Stärkung des Selbstwertgefühls
- Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
- Aufbau von Verantwortungsbewusstsein
- Aufbau und Verbesserung der Konzentrations- u. Reaktionsfähigkeit
Sozialer Bereich
- Wahrnehmen und anerkennen des einzelnen Reiters
- Helfen und Hilfe annehmen
- Respektieren des anderen
- Aufbau von Freundschaften und Kontakten
- Entwicklung und Förderung kooperativen Verhaltens