Bregtalschule Furtwangen



Frühförderung

 

In den ersten sieben Jahren lernt ein Kind, seinen Körper und seine Umwelt zu erfühlen, es lernt, sich aufzurichten und sinnvoll zu bewegen. Es erfasst die Bedeutung unterschiedlicher Geräusche und lernt, wie man spricht. Es lernt, mit den physikalischen Kräften unseres Planeten fertig zu werden sowie mit einer unerschöpflichen Anzahl von Möbeln, Kleidungsstücken, Schuhen, Essutensilien, Spielzeug, Bleistiften, Büchern und natürlich auch mit vielen anderen Menschen.
Jedes dieser Dinge und jeder Gegenstand gibt ihm einige sinnliche Wahrnehmungsinformationen, und es muss in seinem Gehirn eine Integration dieser sinnlichen Wahrnehmungsprozesse entwickeln, um die ankommenden Informationen gebrauchen und sinnvoll einsetzen zu können."
(Jean Ayres, "Bausteine der kindlichen Entwicklung")

Dies alles geschieht in einer natürlichen Reihenfolge - jedes Kind muss die gleichen Grundstufen absolvieren und geht ungefähr den gleichen Weg. Bei den einen geht es schneller - bei anderen langsamer. Wenn es von dieser normalen Reihenfolge stärkere Abweichungen gibt, können später mit manchen Lebensumständen Schwierigkeiten auftreten.

Bei jedem Kind besteht ein ausgeprägter innerer Drang, seine Erlebniswelt zu entwickeln. Wir müssen ihm nicht sagen, dass es krabbeln oder aufstehen oder klettern soll. Die Natur steuert das Kind von innen heraus, es zu tun. Beobachten Sie, wie ein Kind seine Umgebung auf Gelegenheiten hin untersucht, um sich fortzuentwickeln, und wie es immer wieder das gleiche versucht, bis es Erfolg hat. Ohne diesen inneren Drang zu einer immer besseren Reizverarbeitung hätte sich niemand von uns entwickeln können. Da dieser innere Antrieb so groß ist, nehmen wir die meisten Zustände der sensomotorischen Entwicklung einfach als gegeben hin. Die Natur sorgt automatisch für sie.
(Jean Ayres, "Bausteine kindlicher Entwicklung")

Was aber, wenn das nicht so ist - wenn nun doch ein "Baustein" ausgelassen wurde? Wenn die Voraussetzungen für das Einsetzen eines weiteren "Bausteins" schlecht oder nicht gegeben waren?
Wenn sich in diesem ganzen "Gebäude" eine Lücke zeigt - also ein fehlender "Baustein", auf den auch nicht zurückgegriffen werden kann um den nächsten darauf aufzusetzen? Wie hat man sich so einen "Baustein" überhaupt vorzustellen? Und wie entsteht dabei ein "Gebäude" und wie soll das aussehen?

Es gibt 7 verschiedene Systeme, über die wir uns und unsere Umwelt wahrnehmen:

  • visuelles System - sehen
  • auditives System - hören
  • taktiles System - tasten, berühren
  • kinästhetisches System - Bewegungsempfindung, Tiefensensibilität
  • vestibuläres System - Gleichgewichtsregulation
  • Geruchssystem (olfaktorisch) - riechen
  • Geschmackssystem (gustatorisch) - schmecken

Alle Sinnessysteme haben die gleiche Aufgabe: Informationen über die Außenwelt oder aus dem eigenen Körper an das Gehirn zu vermitteln, an die zentrale Schaltstelle. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es nicht das Auge ist, das sieht oder das Ohr, das hört - es ist immer der ganze Mensch. Der Wahrnehmungsprozess ist also immer individuell und subjektiv. Auch die einzelnen Systeme zu trennen ist nicht sinnvoll. In Wirklichkeit arbeiten die Systeme zusammen und die Informationen werden oft über mehrere Kanäle gleichzeitig gewonnen.

Bei den Aussagen: Das Kind

  • ist unkonzentriert und leicht ablenkbar
  • ist vergesslich
  • ist zerstreut und chaotisch
  • kriegt oft nichts mit
  • wechselt ständig sein Betätigungsfeld
  • weiß nicht, wie es mit einem Vorhaben beginnen soll
  • nimmt immer alles in den Mund
  • mag sich nicht anfassen lassen
  • hat ein herabgesetztes Schmerzempfinden
  • merkt oft nicht, wenn es anderen weh tut
  • träumt ständig vor sich hin
  • kann nicht abwarten
  • stolpert über seine eigenen Füße und fällt oft hin
  • usw., usw., ...

muss zunächst einmal nach den fehlenden oder "fehlerhaften Bausteinen" gesucht werden.

Ist es unkonzentriert, weil an einem "Baustein" im visuellen System eine Ecke fehlt und die Informationen an das Gehirn anders sind, als man erwartet? Oder ist es eher ein "Baustein" im auditiven System, der ein anderes Muster aufweist?
Ist es unruhig und leicht ablenkbar, weil ein "Baustein" im taktilen System fehlt oder weil im kinästhetischen System die Lücke zwischen zwei "Bausteinen" zu groß ist oder weil ein "Baustein" im vestibulären System eine abgebrochene Kante hat?
In der Regel kann man das nicht genau voneinander trennen: Wenn ein "Baustein" sich von den anderen unterscheidet, ist auch die Haftung am anderen "Baustein", der daneben oder darüber oder darunter liegt eine andere. Das "Gesamtgebäude" verändert sich.

Wohlgemerkt: es ist deswegen nicht "falsch" gebaut, droht auch nicht gleich einzustürzen oder erfüllt die Funktion, dass man darin wohnen kann, nicht. Es ist einfach anders - verändert - nicht so, wie andere Gebäude.

Jeder Mensch - also jedes Gebäude - wächst mit neuen Erfahrungen. Jeden Tag verarbeiten wir Eindrücke, Gefühle, Erinnerungen und Gedanken und erfassen so einen Teil der Welt und uns selbst immer wieder neu. Wenn nun einzelne Bausteine unseres Gebäudes nicht richtig zusammenpassen, übereinanderstehen, einmal längs und einmal quer eingesetzt sind oder zu große Lücken aufweisen kann die Wahrnehmungsverarbeitung erschwert sein.
Es entsteht Förderbedarf. Was hat man darunter zu verstehen? Zunächst einmal geht es - wie gesagt - um eine "Gebäudeinspektion" - welche(r) Baustein(e) ist (sind) es?

  • Kann ich die Bausteine reparieren?
  • Muss ich das Gebäude womöglich abreißen, damit ein "richtiges" entstehen kann?
  • Was ist ein "richtiges" Gebäude?
  • Warum müssen alle Gebäude gleich aussehen?
  • Wie kann ich in meinem Gebäude leben, trotz Zugluft und Ecken und Kanten?
  • Auf welche Bausteine oder in welche Ecke des Gebäudes kann ich mich zurückziehen, wenn ich mit der Zugluft konfrontiert werde?
  • Welcher Teil meines Gebäudes kann mich vor den Ecken und Kanten schützen?

Dafür gibt es keine Antwort, die allgemeingültig ist. Jedes Gebäude ist für sich eine Schönheit und eine Einheit. Förderung lässt sich weder verordnen noch einfach verabreichen - wir können aber förderliche Bedingungen schaffen, damit Kinder ihren eigenen Weg finden.

Alle, die Fragen bezüglich der Entwicklung von Kindern zwischen Geburt und Schuleintritt haben, werden bei uns beraten. Dazu gehören z.B. Eltern, ErzieherInnen in Kindergärten und alle Personen, die an der Erziehung eines Kindes beteiligt sind.

Wir verstehen uns zunächst als Ansprechpartner für den o.g. Personenkreis.
Es ist uns wichtig, unsere Arbeit mit allen Beteiligten abzustimmen. Uns stehen durch die Mitarbeiter verschiedene Fachbereiche zur Verfügung, und die Vernetzung und Koordination einzelner Maßnahmen ist uns wichtig. Wir wollen in erster Linie mit den Erziehungsberechtigten partnerschaftlich zusammenarbeiten, aber auch mit anderen Einrichtungen wie z.B. Kindergärten und therapeutischen Fachdiensten.
Ganzheitlichkeit und Familienorientierung gehören zu unseren obersten Grundsätzen.

Darum geht es:

  • Um möglichst frühzeitige Unterstützung der kindlichen Entwicklung
  • Erarbeitung individueller Förder- und Therapiepläne
  • Begleitung aller an der Erziehung des Kindes Beteiligten
  • Informationsbeschaffung bei verschiedenen Fragestellungen
  • Schullaufbahnberatung